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An Interview with Cụ Rùa 
Installation/Tonträger

2013/2016

Im Rahmen einer klang-journalistischen Unternehmung habe ich 2013 Cụ Rùa, einen uralten Riesenweichschildkrötenmann der aussterbenden Spezies Rafetus swinhoei, an den Ufern seines Sees inmitten von Hanoi, Vietnam besucht und erstmalig zu seiner aktuellen Situation und zu seinen sagenumwobenen Jugendjahren interviewt.

Cu Rua verhalf Vietnam vor über 600 Jahren zur Unabhängigkeit von China, er hütete ein goldenes Schwert am Grund seines dreckigen Sees, er war zuletzt schwach und einsam, etwa 1,70 Meter lang und einer der vier letzten Individuen seiner Art. Er wurde und wird verehrt, beobachtet und ist im ganzen Land bekannt. Er trugt Hoffnungen und biss in Plastikrohre. Er besaß ein Gemüt, hatte Tauchrouten und lebte zwischen den politischen Fronten zweier Länder. Wenn er sich gelegentlich zeigte, hatte es Bedeutung.

Soweit ich wusste, hatte ihn noch nie jemand zu alle dem befragt. Ich empfand also ein Gefühl der Verantwortung, der Eile. Es galt Schätze zu bergen, Streitereien zu verstehen und eine alt gewordene Stimme zu erhören. Ich tauchte mein Hydrophon in das Grün des Sees, ließ ihn erzählen und brachte seine Stimme mit nach Deutschland in ein altes Haus.

Von Anfang an meiner Reise zu Cu Rua war klar, er würde nicht mehr lange sein. Am 19. Januar 2016 dann, starb Cu Rua in seinem See. Seine Stimme, seine Erzählungen sind nun festgehalten auf einer runden Scheibe Vinyl und seit Juli 2016 zugänglich:
soundcloud.com/peterstrickmann
meudiademorte.bandcamp.com 

Das Interview wurde gefördert durch ein Saarland-Stipendium 2012 der StudienStiftung Saar.